IHK Nord in Israel

Delegationsreise ins Silicon Wadi 2018

Die Start-up-Nation Israel feiert 2018 ihr 70-jähriges Bestehen.
In dieser Zeit hat sich das Land von einem Agrarstaat zu einer Hightech-Hochburg entwickelt. Das Silicon Wadi rund um Tel Aviv ist im Bereich Hightech und Digitalisierung eine der erfolgreichsten Regionen weltweit. Mehr als 6.500 Start-ups und 300 Hightech-Unternehmen werden gezählt. Hightech-Güter stellen rund 45 Prozent des Industrie-Exports. Aus dem israelischen Pendant zum Silicon Valley kommen Produkte wie der USB-Stick oder die Navigationsapp Waze. Eine wichtige Rolle bei dieser Erfolgsgeschichte spielt der Staat. Er unterstützt die Start-up-Szene mit maßgeschneiderten Programmen. Gleichzeitig ist Israel mit einer Förderung des Forschungs- und Entwicklungssektors von jährlich 4 bis 5 Prozent des BIP weltweit führend.
Auch die Wirtschaft in den norddeutschen Bundesländern wird sich durch die weltweite digitale Transformation massiv verändern. Die Unternehmen müssen diesen Wandel aktiv annehmen und gestalten, um ihre bisherige starke Stellung im internationalen Wettbewerb behaupten zu können.
Um Impulse dafür zu geben und sich über Voraussetzungen und Strategien erfolgreicher Hightech-Unternehmen zu informieren, organisierte die IHK Nord unter Federführung der Oldenburgischen IHK gemeinsam eine
Delegationsreise für norddeutsche Unternehmer
vom 6. bis 10. Oktober 2018 ins Silicon Wadi (Israel).
Eine Anmeldung ist nicht mehr möglich.
Im Rahmen der Reise wurden verschiedene Start-ups und Hightech-Unternehmen unter anderem in Tel Aviv, Jerusalem und Haifa, besucht. Auch ein direkter Austausch mit deutschen Unternehmen und Gründern vor Ort fand statt.

Bericht aus Israel

Vom 6. bis 10. Oktober war die IHK Nord Delegation mit über 40 Teilnehmern aus ganz Norddeutschland unterwegs in Tel Aviv, Jerusalem und Haifa, um die Startup-Kultur Israels aufzuspüren und Inspirationen zur Umsetzung eigener Strategien zu bekommen. Hier finden Sie den täglichen Bericht der Termine und Ereignisse vor Ort.

Tag 1: Anreise - Treffen mit Autor Arye Shalicar

Nach Ankunft und Check-in im Hotel stand ein gemeinsames Abendessen der norddeutschen Delegation zum gegenseitigen Kennenlernen auf dem Plan.
Zu einem Midnight-Talk stieß Arye Shalicar zur Gruppe dazu. Arye ist ein Deutsch-israelischer Politologe, Buchautor und Offizier. Aufgewachsen ist Arye in Berlin, mittlerweile lebt er seit 2001 in Israel. Der Delegation berichtet er von seinen Erfahrungen mit dem Judenhass, dem er in Berlin begegnet ist und unter dem er zu leiden hatte. In seiner persönlichen Analyse stellt er die Frage: Gehören Juden heute zu Deutschland? Und Arye kommt zu dem Schluss: Juden gehören heute nicht selbstverständlich zu Deutschland.

Tag 2: AHK Briefing - Taglit Innovation Center - Sosa - Cymotive Technologies - Mindspace

Heute standen das Delegation Briefing und Besuche beim Taglit Innovation Center in Verbindung mit einer Rothschild Tour, Mindspace, Sosa und Cymotive auf dem Plan.
Als erstes fand das Delegation Briefing in der AHK Israel statt. Michel Weinberg, stellvertr. Geschäftsführer der AHK vermittelte den Teilnehmern allgemeine Informationen zu Land und Leuten.
2018 feiert das Land 70-jähriges bestehen bei mittlerweile 8,9 Millionen Einwohnern. Tel Aviv ist der größte Startup-Hotspot Israels und digitaler Knotenpunkt des Landes. Die wirtschaftliche Entwicklung ist enorm. Nirgends werden so viele Tech-Firmen pro Einwohner gegründet. Israel hat 92 Nasdaq-Unternehmen (Deutschland 8) und 6.500 Startups. Zu verdanken ist das einer einzigartigen Zusammenarbeit von Wirtschaft, Forschung, Staat und Militär. Hier wurde der USB-Stick erfunden und auch die weltweit erfolgreichen Apps Waze und Gett kommen aus Israel.
"Not macht erfinderisch!", erklärt Michel Weinberg. Die geringe Größe des Landes (vergleichbar mit Hessen), knappe natürliche Ressourcen und die permanente Bedrohungslage des Staates erzeugen einen enormen Innovationsdruck.
Das Problem der Trinkwasserversorgung wurde mit einem Entsalzungsverfahren gelöst. Insbesondere aber hat sich Israel in Sachen Cybersicherheit einen Namen gemacht. Eine "Mission Impossible" gibt es für Israelis nicht.
Israelische Startups denken von Anfang an global, entwickeln für den Weltmarkt. Eine Konzentration auf den Heimatmarkt wäre wirtschaftlich wenig sinnvoll.
Eine zentrale Rolle spielt das Militär, "unser größter und wichtigster Ausbildungsbetrieb", betont Michel.
Nahezu alle technologischen Innovationen, die das Land hervorbringt, haben einen militärischen Ursprung.
© Björn Schaeper

Video: Der Rothschild Boulevard ist das Herz der Startup-Nation Israel. Hunderte Startups, IT-Firmen, VCs und Acceleratoren haben hier ihren Sitz. Genau hier betreibt Mindspace einen Co-working Space. Wir fragen, was das Konzept so erfolgreich macht.
Anschließend zeigte Charme Rykower, Managerin der AHK Israel, den Teilnehmern die aktuellen Top 10 Trends auf: digitales Bauwesen, Cybersecurity, Smart Mobility, KI, Blockchain, ein Verfahren zur künstlichen Herstellung von echtem Fleisch,  Definition neuer Datenschutzrichtlinien, personalisierte Medizin, Aging-Tech, Smart Shopping - praktisch alle Lebens- und Arbeitsbereiche sind dabei.
Charme berichtete außerdem über die israelische Startupkultur, die im Wesentlichen von dem technologischen Einfluss der Armee geprägt werde. Insbesondere die Eliteeinheit 8200 sei eine gute Referenz im Lebenslauf. Wer hier gedient hat, hat exzellente Chancen auf dem israelischen Arbeitsmarkt. Die ausgeprägte "Chuzpe" sei ein weiteres charakteristisches Merkmal, welches die Mission possible mache.
© Katja Croy

Video: Ansicht des Showrooms
© Katja Croy

Video: Rolf Sörensen, Präsident der IHK Flensburg, testet VR Health
Die nächste Station des zweiten Tages war das "Taglit Innovation Center", einer Art Showroom technologischer Innovationen von israelischen Startups in den Bereichen Medizin- und Gesungheitsmanagement, Wissenschaft, Sicherheit, Landwirtschaft und Transport. Begleitet wurde die Delegation von Gilad Carni, einem israelischen Investor und Business Angel, der seine Erfahrungen mit den Teilnehmern teilte und sie durch den Rothschild Boulevard vorbei am israelischen Facebook Sitz und dem Haus in dem die Unabhängigleitserklärung unterschrieben wurde zum nächsten Termin bei Coworking Space MINDSPACE führte. Mittlerweile gibt es MINDSPACE auch in vielen europäischen Städten, weitere Standorte unter anderem in den USA sind geplant.
© Björn Schaeper

Video: Kurzer Blick in die Büroetage von Cymotive Technologies. Das junge Unternehmen mit Sitz in Tel Aviv, das auch eine Niederlassung in Wolfsburg hat, entwickelt Cybersecurity-Konzepte für die Automobilindustrie. Moderne Pkw enthalten komplexe Computersysteme und werden damit zu einem immer attraktiveren Angriffsziel für Hacker.
Am Nachmittag lernte die Delegation die Unternehmen "Sosa" und "Cymotive" zum Thema Cybertechnologie und Cybersecurity kennen. VW hält derzeit 40 Prozent Anteile an Cymotive. Das Unternehmen entwickelt Software-Sicherheitssysteme für die Automobilindustrie.

Tag 3: Fahrt nach Haifa - Technions Israel Institute of Technology - The Dock Innovation - Bahai Gärten

Cybersecurity, Quantenforschung, Nanotechnologie, autonome Systeme: Die Schwerpunkte des Technion Israel Institute of Technology in Haifa lesen sich wie ein Ranking der international angesagtesten Hightech-Felder.
Die 1924 gegründete Universität hat einen ausgezeichneten Ruf, was auch an den diversen Nobelpreisen liegen dürfte, mit denen Wissenschaftler des Instituts bereits ausgezeichnet wurden.
© Björn Schaeper

Im Video-Interview erklärt Naomi Bitansky, worauf das Institut besonders stolz ist - und wie Studierende fortlaufend dazu motiviert werden, ihr eigenes Unternehmen zu gründen.
© Björn Schaeper
Dem maritimen Sektor steht in den kommenden fünf Jahren der gleiche tiefgreifende Wandel bevor, der heute die Automobilwirtschaft auf den Kopf stellt. Davon ist Nir Gartzman, Gründer von "The Dock" in Haifa, überzeugt. Im Video erklärt er, was die treibende Kraft hinter diesem Wandel sein wird.

Tag 4: Fahrt nach Jerusalem - OrCam Technologies - Stadtführung in der Altstadt - Holocaust Gedenkstätte

OrCam Technologies hat eine digitale Sehhilfe entwickelt, um die Welt für Blinde, Sehbehinderte und Menschen mit eingeschränkter Lesefähigkeit zugänglich zu machen.
Das Wearable ist mit einer intelligenten Kamera ausgestattet, die Text von jeder Oberfläche vorliest und in Echtzeit Gesichter, Produkte und Geldscheine erkennt.
© Björn Schaeper
Das junge Unternehmen mit Sitz in Jerusalem arbeitet bei der Entwicklung eng mit den eigenen Kunden zusammen. "99 Prozent der Funktionen gehen auf Kundenwünsche zurück, die wir umsetzen", sagt Omer Elad, Business Development Director bei OrCam. Im Video zeigt er, wie das Gerät funktioniert.

Tag 5: Debriefing mit der AHK - Rückreise

Die "Tokenization" sei in vollem Gange und erfasse immer neue Wirtschaftsbereiche, so der Experte. Nach Cryptowährungen und dem Boom der ICOs (Initial Coin Offerings) setze die Branche nun große Hoffnungen in so genannte Asset Backed Tokens. Diese Token sind mit konkreten Realwerten wie Rohstoffen oder Immobilien verknüpft.
Anwendungsbereiche für die Blockchain-Technologie sieht Yotam in der Zahlungsabwicklung, beim Supply-Chain-Management und bei der Verteilung und Monetarisierung großer Datenmengen.
Die israelischen Regulierungsbehörden seien aufgeschlossen gegenüber den neuen, oft disruptiven Entwicklungen. "Innovationen lassen sich nicht verbieten. Bei zu restriktiver Regulierung werden sie höchstens aus Israel verdrängt und finden anderswo statt. Das ist hier allen bewusst", erklärt Yotam.
Diese Grundeinstellung, die uns auch von anderen Gründern bestätigt wurde, ist ein weiterer Mosaikstein, der zum anhaltenden Erfolg der Startup Nation beiträgt.

Medien-Berichterstattung

  • Weser Kurier - 16. Oktober 2018: "Von Surfern und Start-ups" (Link: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-wirtschaft_artikel,-von-surfern-und-startups-_arid,1776366.html)
    Tel Aviv ist in Israel der Hotspot für Start-ups. Mit dem Surfbrett geht es morgens zum Strand, danach zur Arbeit. Was sich Bremen davon abgucken kann, hat sich eine Delegation aus dem Norden angeschaut.
  • Welt - 16. Oktober 2018: "Die Jüngste hat den Durchblick" (Link: https://www.welt.de/regionales/hamburg/article182172198/Silicon-Wadi-Die-Juengste-hat-den-Durchblick.html)
    Israels Technologie- Branche setzt Maßstäbe bei digitalen Projekten. Die Hamburger Unternehmerin Zoë Andreae ließ sich bei einem Besuch inspirieren und erzählt, was „Silicon Wadi“ vom Silicon Valley unterscheidet.
  • Welt - 11. Oktober 2018: "Eine sprechende Brille, die Blinde sehend macht" (Link: https://www.welt.de/regionales/hamburg/article181935012/Israelische-Start-ups-Eine-sprechende-Brille-die-Blinde-sehend-macht.html)
    Eine Delegation aus Hamburg und Norddeutschland reist nach Israel und stellt fest: Die dortigen Start-ups entwickeln Produkte nah am Alltag ihrer Nutzer. Eine sprechende Brille ist dafür nur ein Beispiel.
  • Welt - 9. Oktober 2018: "Davon können wir uns eine Menge abschauen" (Link: https://www.welt.de/regionales/hamburg/article181818484/Startup-Nation-Israel-Davon-koennen-wir-uns-eine-Menge-abschauen.html)
    Israels Start-ups mischen bei der Digitalisierung der Welt kräftig mit - offen wie auch geheim. Jetzt haben sie die maritime Wirtschaft entdeckt. Die norddeutsche Wirtschaft will den Enthusiasmus einfangen.
  • Welt - 8. Oktober 2018: Mit Charme und Chuzpe (Link: https://www.welt.de/print/welt_kompakt/hamburg/article181797842/Mit-Charme-und-Chuzpe.html)
    Eine norddeutsche Wirtschaftsdelegation erkundet die Start-up- und Digitalwirtschaft in Israel. Die Innovationskraft der "Silicon Wadi" ist weltweit gefragt.
  • Welt - 6. Oktober 2018: Norddeutsche Wirtschaft will von Israel lernen (Link: https://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article181783524/Norddeutsche-Wirtschaft-will-von-Israel-lernen.html)
    Delegation der IHK Nord besucht Forschungszentren und Unternehmen in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem. Digitalisierung steht im Fokus der Reise.