08.09.2016

Norddeutsche Wirtschaft leidet unter EU-Sanktionen gegen Russland

IHK Nord fordert von der Politik vertieften Dialog
Die norddeutsche Wirtschaft ist von den EU-Sanktionen gegen Russland stärker betroffen als die Bundesrepublik insgesamt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der IHK Nord, dem Zusammenschluss der zwölf norddeutschen Industrie- und Handelskammern. Seit Einführung der Sanktionen im März 2014 gingen die norddeutschen Exporte nach Russland um 47 Prozent zurück, im Bundesdurchschnitt dagegen um um 37 Prozent.
„Der wertmäßige Export ist von rund 500 Millionen Euro im Monat auf die Hälfte geschrumpft und hat sich ab April 2015 bei knapp über 200 Millionen Euro eingependelt“, sagt Fritz Horst Melsheimer, amtierender Vorsitzender der IHK Nord und Präses der Handelskammer Hamburg.
Dies entspreche ungefähr dem Niveau der Finanzkrise im Jahr 2009. Damit haben die Sanktionen die ohnehin seit 2012 grassierende Wirtschaftskrise – maßgeblich bedingt durch Ölpreis- und Rubelverfall – noch einmal spürbar verstärkt. Melsheimer sieht in diesem Konflikt das eindeutige Primat der Politik, fordert die EU und Bundesregierung aber zu einem vertieften Dialog mit Russland auf, um die Krise zu entschärfen.
Besonders stark waren die Einbrüche für Hamburg: Hier stürzten die Ausfuhren von 200 auf 12 Millionen Euro (seit Anfang 2015) monatlich ab. Betroffen sind vor allem hochtechnisierte Exportprodukte wie Kraftwagen, Kraftwagenteile, Maschinen und Datenverarbeitungsgeräte. Über dem Bundesdurchschnitt liegen außerdem die auf die russischen Gegensanktionen zurückzuführenden Rückgänge bei den Ausfuhren von Agrarprodukten und Lebensmitteln, da die Ernährungsbranche in Norddeutschland überdurschnittlich stark ist. Der Import aus Russland nach Norddeutschland ist nach einem zwischenzeitlichen Hoch von 700 Millionen Euro monatlich Mitte 2014 ebenfalls zurückgegangen – allerdings um einen deutlich geringeren Prozentsatz. (Siehe Anlage)
Die deutschen Seehäfen spüren diese Auswirkungen besonders gravierend: In Hamburg ging der seeseitige Containerverkehr durch die Sanktionen und die Wirtschaftskrise in Russland 2015 um ein Drittel zurück (von 662094 auf 434100 TEU), in den niedersächsichen Häfen Emden und Brake brach der mit Russland in Verbindung stehende Umschlag sogar um mehr als 50 Prozent ein. Auch in der norddeutschen Tourismusbranche sind Russlandkrise und EU-Sanktionen spürbar: Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus Russland in Schleswig-Holstein und Bremen ging um etwa ein Drittel zurück, in den übrigen Bundesländern durchschnittlich um 25 Prozent.