Nordic Talking zur Ernährungswirtschaft

Chancen, Innovationen, Zukunft

An kaum ein anderes industrielles Erzeugnis werden so hohe Qualitätsanforderungen wie an Lebensmittel gestellt. Die Robustheit der Branche hat sich in den vergangenen Jahren bewiesen - Nahrungsmittel sind kaum von konjunkturellen Schwankungen betroffen. Wie die  norddeutsche Ernährungswirtschaft von aktuellen Mega-Trends wie Qualität, Gesundheit, Convenience und Internationalisierung profitieren kann und an welchen Stellen die Politik gefordert ist, hat die IHK Nord am 26. Januar 2017 bei einem ‚Nordic Talking‘ mit deutschen Bundestagsabgeordneten diskutiert.

 

1. Hintergrund

Die Ernährungswirtschaft ist in Norddeutschland ein wichtiger Arbeitgeber: 2013 betrug der Anteil des Umsatzes der Ernährungswirtschaft am Gesamtumsatz des verarbeitenden Gewerbes im IHK Nord-Gebiet 17%. Die Erzeugung, Verarbeitung und Veredelung landwirtschaftlicher Produkte sowie Aktivitäten in Forschung und Innovation haben im Norden einen traditionell hohen Stellenwert. Zugleich ist das Ernährungsgewerbe wichtiger Partner anderer Wirtschaftsbereiche, etwa des Maschinenbaus, der Verpackungsmittelhersteller, der Logistikbranche und des Dienstleistungssektors, so auch der Gesundheitswirtschaft und der Tourismusbranche. Gleichwohl bewegt sich die Ernährungswirtschaft in verschiedenen Spannungsfeldern des gesellschaftlichen Diskurses:
  • Die Ernährungswirtschaft ermöglicht eine gesunde und ausgewogene Ernährung, die Verfügbarkeit von Lebensmitteln stellt in Deutschland und der Europäischen Union heute kein Problem mehr dar. Nachhaltigkeit ist für die Ernährungswirtschaft systemimmanent: nach strengen Standards produzierte Lebensmittel werden von Verbrauchern täglich genutzt und konsumiert. Konträr dazu konzentriert sich die mediale Aufmerksamkeit leider vorrangig auf negative Schlagzeilen wie Lebensmittelskandale.
  • Verbraucherschutz ist eine wichtige Säule deutscher und europäischer Rechtsprechung. Dies gilt für Entwicklung und Produktion der Lebensmittel und auch für Verpackung und Logistik. Die Vielzahl der Gesetze und Verordnungen stellt für zahlreiche Unternehmen mittlerweile ein enges Korsett für Produktion und Absatz dar.
  • Die zentrale Herausforderung des globalen Ernährungssystems liegt in dem starken Bevölkerungswachstum und dem zunehmenden Wohlstand. Die UNO rechnet laut der UN Agenda 2030 und deren Zielen zur nachhaltigen Entwicklung mit einem um ca. 50 Prozent höheren Nahrungsmittelbedarf bis 2030 gegenüber 2010.

2. Bewertung

An kaum ein anderes industrielles Erzeugnis werden so hohe Qualitätsanforderungen wie an Lebensmittel gestellt. In der wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre hat sich die Robustheit der Ernährungswirtschaft gezeigt: Nahrungsmittel sind kaum von konjunkturellen Schwankungen betroffen, die Branche hat ein weitgehend konstantes Marktvolumen. Die norddeutsche Ernährungswirtschaft kann von den aktuellen Mega-Trends profitieren: Qualität, Gesundheit, Convenience und Internationalisierung bieten nachhaltige Entwicklungschancen. Der weltweit wachsende Wohlstand lässt den Anteil höher veredelter und qualitativ verbesserter Produkte steigen. Der internationale Stellenwert von „Made in Germany“ gilt auch für Ernährungsprodukte.
 

3. Handlungsempfehlung

Durch eine kluge und weitsichtige Wirtschafts- und Forschungspolitik können Innovationen in Produkte und Prozesse – zum Beispiel bei der nachhaltigen Erschließung alternativer Proteinquellen durch Fishfarming – vorangetrieben werden. Aber auch anderen Herausforderungen muss sich die Ernährungswirtschaft verstärkt stellen: Tierwohl, Bodenbelastung, Arbeitsbedingungen sind wichtige Aspekte auch für die Akzeptanz der Ernährungswirtschaft. Durch eine gemeinsame und abgestimmte politische Interessenvertretung auf norddeutscher, bundespolitischer und europäischer Ebene müssen diese Herausforderungen gemeistert werden, soll die weitere Entwicklung der norddeutschen Ernährungswirtschaft befördert und das Image der Branche verbessert werden. Trotz einer starken Binnenmarktorientierung der Branche wird die tatsächliche Leistungsstärke der Ernährungswirtschaft in Norddeutschland bislang noch zu wenig wahrgenommen. Unter dem Aspekt der Vielfalt der Unternehmen und ihrer Erzeugnisse sowie der Bedeutung der Branche auch für andere Wirtschaftszweige, ist die Schaffung eines länderübergreifenden Bewusstseins für die norddeutsche Ernährungswirtschaft eine Zukunftsaufgabe, für die sich die IHK Nord einsetzt. Aufgrund der starken Stellung der norddeutschen Ernährungswirtschaft ergeben sich auch im Export spannende Perspektiven für die Branche. Die Politik ist hier gefordert, konsequent Türen auf den Weltmärkten zu öffnen.