Positionspapier

Maritime Wirtschaft im digitalen Wettbewerb

Die Digitalisierung der maritimen Branche bildet den Kern der
10. Nationalen Maritimen Konferenz (NMK) 2017.
Inhaltlich möchte das Bundeswirtschaftsministerium damit an die deutsche Präsidentschaft der G 20-Gruppe, dem Treffen der 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer und der EU, anknüpfen. In diesem Rahmen ist im Frühjahr 2017 in Düsseldorf erstmals ein Treffen der für die Digitalisierung zuständigen Minister der
G 20 geplant.
Der Fokus der NMK auf nur ein Thema ist neu. Auch andere wichtige Fragen stehen weiterhin auf der Agenda der maritimen Wirtschaft: der Ausbau der Hafeninfrastrukturen und Hinterlandanbindungen, das Nationale Hafenkonzept, der maritime Umweltschutz um nur einige zu nennen. Diese Inhalte wurden bei den vergangenen Konferenzen regelmäßig adressiert.
Ohne Zweifel braucht die maritime Wirtschaft mehr Investitionen in die Digitalisierung, um in Zukunft international wettbewerbsfähig zu bleiben. Deshalb begrüßt und unterstützt die IHK Nord den diesjährigen Schwerpunkt bei der NMK. Mit dem Schlagwort Digitalisierung sehen die norddeutschen Industrie- und Handelskammern nicht nur auf Reeder, Schiffsmakler, Spediteure, Umschlagbetreiber und Werften große Herausforderungen, aber auch Chancen zukommen. Politik und Verwaltung sind dabei gefordert, den digitalen Wandel der Branche wettbewerbsneutral zu gestalten und die Rahmenbedingungen anzupassen.
„Mit der Digitalisierung verschiebt sich die ökonomische Machtbalance zwischen einzelnen Unternehmen und Wirtschaftszweigen. Neue Wettbewerber aus der Datenindustrie kommen zusätzlich zu den traditionellen Unternehmen der maritimen Wirtschaft auf den Markt“, sagte Dr. Wolfgang Blank, Vorsitzender der IHK Nord.
In Zukunft werde entscheidend sein, wer über die relevanten Daten verfügt, sie auswertet und hieraus neue Geschäftsmodelle ins Leben ruft.
Dabei richte sich das öffentliche Augenmerk nach Meinung der IHK Nord zu sehr auf die globalen amerikanischen Internet-Konzerne.
„Das in Deutschland vorhandene Potenzial wird oft unterschätzt oder gar nicht wahrgenommen“, so Dr. Blank.
Die Unternehmen der maritimen Branche sollten sich noch stärker mit dem Know-how der heimischen Digitalspezialisten vernetzen.
„Wir sehen Möglichkeiten bei der gezielten Förderung von Start-ups, die die traditionellen Geschäftsmodelle der maritimen Wirtschaft mit den Möglichkeiten der digitalen Welt verbinden“, sagte der IHK Nord-Vorsitzende.
Dabei müsse an den Standorten der maritimen Wirtschaft die Förderkulisse für junge ansiedlungswillige Unternehmen aus der digitalen Wirtschaft weiter verbessert werden. Zudem seien die alteingesessenen Betriebe aus dem maritimen Cluster gefordert, sich stärker mit den Start-ups zu vernetzen und auszutauschen.
Dr. Blank verweist auf das im Rotterdamer Hafen aufgelegte Projekt „PortXL“: Dort habe die Port Authority zusammen mit im Hafen ansässigen Unternehmen ein Gründerzentrum bereits aufgebaut. Ziel sei es, hafen- und logistiknahe Geschäftsmodelle zusammen mit Existenzgründern und Mentoren zu entwickeln. Ein solches Modell mit dem Schwerpunkt Digitalisierung könnte ein Beispiel für die maritimen Unternehmen hierzulande sein.
Neben dem Aufbau von Gründerzentren fordert die IHK Nord in ihrem Diskussionspapier, den Breitbandausbau in den Seehäfen zu beschleunigen. Dazu müssten die Küstenländer beim Bund entsprechende Fördergelder beantragen und abrufen. Auch bestehende Lücken bei den Mobilfunknetzen in den deutschen Seerevieren seien zügig zu schließen. Zudem sollten die Seeschiffs- und Schiffsbauregister stärker digitalisiert und auf den elektronischen Rechtsverkehr umgestellt werden.
Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Diskussionspapier.