Informationen und Bericht

Delegationsreise nach China (Hongkong/Shenzhen) vom 24.-31. August 2019

Shenzhen ist weltweit bekannt als das „ Silicon Valley Chinas“. Die gesamte Stadt wird oft als Startup bezeichnet. Sie ist extrem jung und innerhalb kürzester Zeit rasant gewachsen. Noch 1980 war Shenzhen eine Kleinstadt mit rund 30.000 Einwohnern, heute zählt sie mehr als zehn Millionen Einwohner. Dies ist das Ergebnis eines politischen Experiments: Shenzhen wurde 1980 zur ersten Sonderwirtschaftszone der VR China erklärt. Mittlerweile ist die Stadt eine Hightech-Metropole.
Durch die industriepolitische Strategie „Made in China 2025“ will das Land zur führenden Hightech-Nation aufsteigen. Bis 2025 sollen 70 Prozent der in China genutzten Elektrofahrzeuge, Roboter und Hochtechnologieprodukte auf heimischem Boden hergestellt werden. Huawei oder der Online-Konzern Tencent sind dabei technologische Leuchttürme vor Ort. Daneben gibt es vor allem in Shenzhen hunderttausende kleine Firmen, die mit ihren Komponenten und Erfindungen den Großen zuarbeiten. Während in anderen Ländern Gesichtserkennung, künstliche Intelligenz und Roboter oft mit Skepsis betrachtet werden, kann es in Shenzhen nicht schnell genug voran gehen auf dem Weg zur nächsten Erfindung.
Wir werden im Rahmen von Unternehmensbesuchen, branchenspezifischen Gesprächen sowie Veranstaltungen mit lokalen Startups und Akteuren Einblicke in das Ökosystem von Shenzhen geben. Unter Federführung der IHK zu Flensburg organisiert die IHK Nord, der Zusammenschluss der zwölf norddeutschen Industrie- und Handelskammern, dafür eine Delegationsreise für norddeutsche Unternehmen vom 24. bis 31. August 2019 nach Shenzhen und Hongkong (China).

Ankunft in Hongkong, Fährtransfer nach Shenzhen, Hotel Checkin und gemeinsames Abendessen

Ankunft am Flughafen und Fährtransfer
Gemeinsames Abendessen
Beim gemeinsamen Abendessen stellten Vertreter Andreas Maurmaier, Project Executive Cabin Experience, Florian Carle, Project Manager Manufacturing Innovation von Airbus Shenzhen und Benjamin Scheidel, President & CEO Lufthansa Technik Shenzhen die regionalen Aktivitäten ihrer Unternehmen vor, vor allem die Besonderheiten und besonderen Anforderungen des Standortes. Wie auch in Deutschland ist z.B. auch in China die Gewinnung gut ausgebildeter Fachkräfte ein wichtiges Thema in der Unternehmensentwicklung.

Tag 1: Briefing, Spaziergang durch den OCT Loft Creative Culture Park, Besuch bei Royole, Shenzhen Urban Transport Planning Center, Gemeinsames Abendessen mit Gastvorträgen

Delegation Briefing
Die 35 Teilnehmer der IHK Nord-Delegation wurden von Dirk Lechelt, dem stellv. Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Kanton, und Maximilian Butek, dem Delegierten der Deutschen Wirtschaft in Guangzhou, zu einem Briefing über die politische und wirtschaftliche Situation im Perlflussdelta begrüßt.
Herr Butek kennzeichnete Shenzhen als eines von drei Innovationszentren neben Peking und Shanghai. Shenzhen fungiert dabei als Zentrum der Zulieferindustrie für Elektronik-Hardware. Ebenso werden Prototypen für den Tech-Bereich entwickelt. Einer der Schwerpunkte ist unter anderem die Nutzung von Big Data für die Entwicklung von KI-basierten Anwendungen.
China investiert derzeit viel in Forschung und Entwicklung eigener Produkte und Dienstleistungen, um den Schritt von der Werkbank zu einer innovativen Vokswirtschaft zu schaffen. Gemessen an seinen Ausfuhren zählt das Perlflussdelta heute zu den fünf größten Exportnationen der Welt. Der stellv. Generalkonsul, Herr Lechelt, berichtete zusätzlich über die aktuellen politischen Entwicklungen in China vor dem Hintergrund des Handelskonflikts mit den USA und den aktuellen Protesten in Hongkong. Er stellte ausserdem das Unterstützungs- und Serviceangebot des Konsulats in Kanton vor, das auch deutschen Unternehmen vor Ort bei Fragen hilft.
Spaziergang durch den OCT Loft Creative Culture Park und Besuch bei Royole
Im Anschluss startete die Delegation in die Unternehmensbesuche. Erste Station war nach einem kurzen Spaziergang durch den OCT Loft Creative Culture Park das Unternehmen Royole, ein globaler Hersteller von fortschritllichen flexiblen Display, Sensoren und intelligenten Geräten. 2012 vom Stanford Ingenieur Liu Zihong gegründet gehört das Unternehmen heute zu einem der weltweit am schnellsten wachsenden technologischen "Einhörnern". 2018 wurde Royole mit dem German Design Award ausgezeichnet. Zu den innovativsten Entwicklungen gehören das weltweit dünnste vollfarbige Display sowie das erste vollständig biegsame Handydisplay. Präsentiert wurden auch „Wearables“, flexible Displays, die z.B. auf Taschen oder T-Shirts angebracht werden können. Die Teilnehmer informierten sich beim Austausch mit den Unternehmensvertretern über die aktuelle und zukünftige Möglichkeiten neuer digitaler Technologien.
Shenzhen Urban Transport Planning Center (SUTPC)
Der Programmpunkt am Nachmittag war ein Besuch des Shenzhen Urban Transport Planning Centers (SUTPC), einem High-Tech Unternehmen im Feld der innerstädtischen Verkehrsforschung. Es bietet Dienstleistungen zur Verkehrsüberwachung, -planung und -steuerung für über 100 chinesische Städte an. Dafür werden täglich rund 750 Millionen Datensätze mit innovativen Softwarelösungen analysiert. Mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit arbeitet SUTPC an der Entwicklung eines nachhaltigen kohlenstoffarmen Transportsystems. Dr. Wong, Technischer Berater des Unternehmens, stellte die innovativen Lösungen für eine intelligente Verkehrssteuerung am Beispiel der Region Kanton mit rund 100 Millionen Einwohnern vor.

Tag 2: Huawei, UBTECH, x.factory, Termin mit Ai Xuefeng, Mayor for Economic Affairs, AHK Innovation Night

Am zweiten Tag startete die norddeutsche Delegation mit einem Besuch bei Huawei, einem der weltweit führenden Anbieter im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie. Zunächst gab es eine Führung durch den „Show Room“ des Unternehmens, einer riesigen High-Tech Halle mit einer Ausstellung der von Huawei angebotenen Technologien. Dabei wurde in verschiedenen Stationen viele aktuelle und geplante Anwendungsbereiche dargestellt, unter anderem die Infrastruktur für 5G-Mobilfunk, die Bereitstellung technologischer Infrastruktur für Datenverarbeitung, Cloud Computing und künstliche Intelligenz (AI).
Carsten Senz aus der Unternehmenskommunikation von Huawei berichtete den Teilnehmern anschließen über die bisherige Entwicklung des Unternehmens, die aktuellen Projekte und geplante Aktivitäten. In Deutschland sind neben den Kunden  wie Telekom und die Deutsche Bahn auch strategische Partner wichtig, z.B. große Unternehmen wie Siemens und Audi oder Forschungspartner auf Seiten von Universitäten. Die Teilnehmer informierten sich in einer Fragerunde auch über die Aktivitäten des Unternehmens in Norddeutschland. Thematisiert wurden auch Bedenken hinsichtlich eines möglichen Zugriffs der chinesischen Regierung auf die Daten der von Huawei installierten Kommunikationsnetze sowie die Offenheit der technischen Systeme.
Besuch bei UBTECH
Zweiter Programmpunkt des Tages war der Besuch bei UBTECH. Das Unternehmen ist in der Forschung und Entwicklung von künstlicher Intelligenz und deren Anwendung in der Robotik weltweit im Spitzenfeld. UBTECH Robotics entwickelt und produziert u.a. humanoide Roboter mit unterschiedlichen Funktionen, z.B. im Bildungsbereich, für den Sicherheitsbereich, für häusliche Anwendungen und als Spielzeug. Nach der Vorführung verschiedener Roboter wurde den Teilnehmern das Unternehmen mit seinen Produkten vorgestellt. Das Unternehmen sucht derzeit noch Partner in Deutschland für seine Produkte, hier u.a. Robot-Kits, mit denen der eigenständige Zusammenbau und das Programmieren von Robotern vermittelt werden kann. In diesem Bereich arbeitet die Firma auch mit Hochschulen in China zusammen.
Termin mit Ai Xuefeng, Mayor for Economic Affairs, Finance and international cooperation, Municipality of Shenzhen
Innovation braucht Spontanität - dieses Motto lebt auch der Bürgermeister von Shenzhen, Ai Xuefeng, und empfing auf Vermittlung von Delegationsmitglied Leon Wankum spontan eine Abordnung der IHK Nord-Delegation. Ai Xuefeng regte Gespräche über eine Innovationspartnerschaft zwischen der Shenzhener Greater Bay Area und Norddeutschland an. Delegationsleiter Rolf Sörensen und IHK Nord-Geschäftsführer Dr. Malte Heyne luden eine Delegation aus Shenzhen zur Standortkonferenz Norddeutschland anlässlich der Konferenz der Küstenwirtschafts- und -verkehrsminister am 7. November in Lübeck ein, was spontan zugesagt wurde. Themen von besonderem Interesse sind Erneuerbare Energien, Elektromobilität, Industrie 4.0 und Logistik. Shenzhen sucht zudem Partner im Norden, um das deutsche duale Berufsbildungssystem in Shenzhen zu implementieren. Delegationsmitglied Niels Pirck sprach zudem eine Einladung an die Municipality of Shenzhen zum nächsten “Hamburg Summit: China meets Europe” aus, was ebenfalls auf großes Interesse der chinesischen Seite stieß.
Besuch bei x.factory
Nächster Stop war die x.factory des Chaihuuo Makerspace. Hier werden kleine und Kleinstanbieter von technischen Lösungen mit den traditionellen Industrien verbunden. Zu den Aktivitäten des Unternehmens gehören Dienstleistungen wie Beratung, Planung und Umsetzung von wirtschaftlichen Projekten.
3. AHK Innovation Night
Am Abend nahm die Delegation an der 3. AHK Innovation Night der Außenhandelskammer Guangzhou teil. Im Rahmen der Veranstaltung stellten fünf Technologie-Start-ups ihre Businesskonzepte den rund 80 Teilnehmern vor. Anschließend hatten die Teilnehmer Gelegenheit für Austausch und Networking.

Tag 3: Tencent, Shenzhen Haylion Technologies, Transfer nach Hongkong

Tencent
Der Tag begann mit einem Besuch beim Internetkonzern Tencent. Das Unternehmen ist in vielen digitalen Geschäftsfeldern aktiv. Hierzu zählen unter anderem soziale Netzwerke, Istant-Messenger-Dienste, Online-Spiele, E-Commerce-Plattformen sowie Online-Werbung wie z.B. We Chat. Das erfolgreichste und bekannteste Produkt Tencents ist mit 1,04 Mrd. monatlich aktiven Nutzern der Messenger „ We Chat“.
Shenzhen Haylion Technologies
Der zweite Programmpunkt des Tages war der Besuch bei Shenzhen Haylion Technologies. Das Unternehmen konzentriert sich auf intelligente Fahrtechnik-Innovationen für Bus-, Konzeptproofing- und Industrialisierungsentwicklung. Zu den Kernkompetenzen gehören autonom fahrende Fahrzeuge und E-Busse. Shenzhen ist eine Beispielregion für E-Mobilität. Sämtliche Busse, Taxen und Lieferdienste fahren rein elektrisch. Die Delegationsteilnehmer konnten sich auf der Haylion-Teststrecke ein Bild von den innovativen Mobilitätslösungen machen.
Anschließend fuhr die Delegation mit dem Bus zum Grenzübergang und reiste dort nach einer Ausreiskontrolle und einer erneuten Einreisekontrolle nach Hongkong ein. Es ging mit einem anderen Bus weiter auf der linken Straßenseite.  Bei einem gemeinsamen Abendessen gab es einen ersten Austausch mit Wolfgang Niedermark, dem Delegierten der deutschen Wirtschaft in Hongkong, sowie Wolfgang Ehmann, dem Geschäftsführer der AHK Hong Kong.

Tag 4: Briefing, Siemens Digital Mobility Hub im Hong Kong Science and Technology Parks Corporation (HKSTP), INC Invention Center (Frauenhofer IPT) beim Kong Kong Productivity Council (HKPC), Lamma Island

Der vierte Tag der IHK Nord-Unternehmerreise begann mit einem offiziellen Briefing der Teilnehmer zur politischen und wirtschaftlichen Situation in Hongkong. Wolfgang Niedermark und David Schmidt vom deutschen Generalkonsulat Hong Kong erläuterten die aktuellen wirtschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Auch in Hongkong (HKG) machen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen des Handelskrieges zwischen den USA und China langsam bemerkbar. Die Sonderverwaltungsregion ist nach aktuellen Berechnungen im Jahr 2018 noch um 3,2% gewachsen. Seit September 2018 trübt sich die Wirtschaftslage zwar nicht dramatisch aber graduell ein. Gleichzeitig spielt Hongkong eine wichtige Rolle als Brücke, sowohl für die finanz- wie auch realwirtschaftlichen Ströme von und nach Festlandchina. Neben der Rolle als führendes Handels- und Finanzzentrum ergibt sich Hongkongs wirtschaftliche Bedeutung vor allem aus seiner Stellung als Brücke für den wirtschaftlichen Austausch Festlandchinas mit dem Rest der Welt. Die Motive für die Handelspartner zur Nutzung Hongkongs liegen dabei vor allem in geringeren Informationskosten, Rechtssicherheit, der Ausnutzung von Steuer- und Abgabenvorteilen, der guten internationalen Vernetzung und dem hohen technischen Know-how.
Zu Nachfragen nach den aktuellen Protesten gegen die chinesische Führung in Hongkong verwiesen Sie auf die Unzufriedenheit vor allem junger Menschen in Hongkong mit den wirtschaftlichen und gesellschaftliche Aussichten sowie zum Teil gegebenen, aber nicht überall vorhandenen Ängsten vor einer stärkeren Beschneidung der bisher vorhandenen Freiheitsrechte in der Sonderverwaltungszone.
Nächster Programmpunkt war der Besuch des Siemens Digital Mobility Hub. Diese gemeinsame Initiative der Hong Kong Science and Technology Parks Corporation (HKSTP) und Siemens Limited, die darauf abzielt, die Entwicklung von Smart-City-Anwendungen und Lösungen spezifisch für Hong Kong zu beschleunigen, wurde vom Siemens Mitarbeiter Daniel Weitze vorgestellt. Der Hub befindet sich im Hong Kong Science Park, ist als "Open Lab", konzipiert und umfasst ein Smart Mobility Testbed sowie ein Smart Energy Lab, das Experten für die Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsaufgaben in den Bereichen Datenanalyse, IoT, Konnektivität, intelligente Gebäude, intelligente Energie und intelligente Mobilität zur Verfügung steht. Es wird damit Start-up-Unternehmen und Infrastrukturanbietern eine Plattform angeboten, innerhalb welcher ein digitales Portfolio erstellt werden kann und Smart-City-Lösungen "made in Hong Kong" entwickelt werden können, während zeitgleich ein innovatives Technologie-Ökosystem im Herzen der Greater Bay Area aufgebaut wird.
Nach der Mittagspause ging es zum letzten Unternehmensbesuch – dem INC Invention Center (Frauenhofer IPT) beim Hong Kong Productivity Council (HKPC). Dieser ist eine multidisziplinäre Organisation, deren Aufgabe es ist, den Unternehmenssektor in Hongkong durch die Einführung effizienterer und aktualisierter Geschäfts- und Technologiemethoden zu fördern und zu unterstützen. Er wurde 1967 gegründet. Das HKPC und seine Tochterunternehmen bieten jährlich mehr als 3.000 Unternehmen Beratungsdienstleistungen und technologische Entwicklungsdienstleistungen in den Bereichen Fertigungstechnologie, Informationstechnologie, Umwelttechnologie und Managementsysteme an.
Seit 2018 ist die Fraunhofer-Gesellschaft am HKPC in Hongkong mit einem eigenen Forschungsinstitut vertreten, dem INC Innovation Center. Dr. Chan Wai-Iun, Luan Law und Steven Lee stellten das Center und seine Aktivitäten vor.
 
Als Tagesabschluss fuhr die Delegation mit einem Boot zum gemeinsamen Abendessen auf der Insel Lamma, einem bei Einheimischen und Tagesausflüglern beliebten Ausflugsziel.

Tag 5: De-Briefing, Victoria Peak, Rückreise

Am Vormittag des letzten Tages der Delegationsreise gab es ein De-Briefing mit der AHK Hongkong und der Delegationsleitung. Dabei gaben die Teilnehmer ein ausführliches Feedback zum Ablauf der Reise sowie den während der Unternehmensbesuche gewonnenen Informationen und Eindrücke.
Die anschließende Busfahrt führte zum Victoria Peak. Berühmt ist der mit 552 Metern höchste Berg von Hongkong Island für seine Lage und seine spektakuläre Aussicht. Anschließend hatten die Teilnehmer einen Nachmittag Freizeit, bevor es gegen 19.30 Uhr Ortszeit gemeinsam Richtung Flughafen Hongkong zur Heimreise ging. Am Samstagvormittag trafen die Teilnehmer wieder in Norddeutschland ein.

Mediale Berichterstattung zur Reise