Standort für Satelliten-Startsysteme

Mit zivilen Raketen in eine innovative Zukunft

Große Entwicklungschancen mit der Zukunftsbranche Raumfahrt für Norddeutschland


Die Luft- und Raumfahrt ist einer der großen Technologiemotoren in Deutschland. Sie verbindet fast alle Hochtechnologien des Informationszeitalters und ist damit von enormer strategischer Bedeutung für Deutschland und Europa. Laut aktueller BDI-Studie sollen bis 2028 geschätzt 9.938 Satelliten (ca. 1.104 p.a.) ins All gestartet werden, wovon wiederum 86 Prozent Kleinsatelliten sind. 53 Prozent dieser Satelliten werden einen polaren oder sonnensynchronen Orbit benötigen. Es wird davon ausgegangen, dass sich das exponentielle Wachstum nach 2028 weiter beschleunigen wird. Ein deutscher Startplatz würde eine Partizipation an diesem Zukunftsmarkt unmittelbar ermöglichen. Derzeit verfügen die deutschen Unternehmen der Branche nicht über einen vertraglichen Startplatz in Europa. Die geplanten Startplätze existieren bisher nur auf dem Papier, liegen oft außerhalb der EU oder unterliegen erheblichen Einschränkungen wie einer Startbegrenzung. In der Hightech-Strategie 2020 hat die Bundesregierung die Raumfahrt als Schlüsseltechnologie benannt. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, deutsche Spitzenpositionen in den Raumfahrtanwendungen sowie in der Weltraumforschung und -technologie auszubauen und den deutschen Unternehmen im europäischen und globalen Wettbewerb gute Chancen in Märkten zu bieten. [1]
Aktuell laufen Diskussionen über die Errichtung einer Offshore-Startplattform für kleine Trägerraketen in der Nordsee. Hierzu gibt es eine Initiative, die u.a. vom BDI unterstützt wird. [2] Eine mobile Startplattform in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Nordsee ist für den Start von kleinen Trägerraketen in polare- und sonnensynchrone Orbits gut geeignet. [3] Zudem liegt eine aktuelle Machbarkeitsstudie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt vor, die den Flughafen Rostock-Laage für eine zeitnahe Aufnahme von Raketenstarts im Airlaunch-Verfahren qualifiziert. Auch der Flughafen Nordholz wird darin als möglicher Ausweichflughafen benannt.

Forderung der IHK Nord

Norddeutschland als Standort für Satelliten-Startsysteme - Offshore oder flugzeuggebunden -  bietet für die norddeutsche Wirtschaft, insbesondere im Industrie- und Innovationsbereich, enorme Chancen und würde die internationale Wahrnehmung des Standorts erheblich steigern. Solche Leuchtturm-Projekte würden die Ansiedlung weiterer innovativer Unternehmen mit direktem und indirektem Bezug zur Raumfahrt fördern und neue Arbeitsplätze schaffen. Forschungsintensive Branchen und innovative Start-ups aus Norddeutschland könnten von einem möglichen Technologietransfer profitieren und positive Synergieeffekte mit anderen Wirtschaftsbereichen im Norden generieren. Die norddeutschen Länder sollten diese Chance nutzen und sich aktiv und zeitnah für eine deutsche Offshore-Startplattform in der Nordsee und einen norddeutschen Weltraumflughafen einsetzen. Beide (nord-)deutschen Initiativen ergänzen sich, sind technisch machbar und strategisch wie wirtschaftlich sinnvoll. Die Realisierung ist somit eine (wirtschafts‑)politische Entscheidung und keine technische Frage. Dabei gehen wir von einer Abstimmung mit den Belangen der Schifffahrt, des Tourismus, der Fischerei und weiteren Nutzern der Meeresflächen aus.
Die IHK Nord begrüßt, dass der Bund seine Arbeiten zu einem nationalen Weltraumgesetz aufgenommen hat und den erforderlichen Rechtsrahmen schaffen will. Die IHK Nord unterstützt diese Vorhaben als Innovations- und Wachstumsschub für den Standort Norddeutschland und fordert die norddeutschen Landesregierungen sowie die zuständigen Bundesministerien zu einer raschen und abgestimmten Umsetzung auf.

[1] BMWi.de 2020 [2] Deutscher Startplatz für Microlauncher. Bedarfsanalyse und Handlungsempfehlung, BDI 2020 [3] Opportunity for offshore launch site setup in Germany EEZ (North Sea). RFA Rocket Factory Augsburg. 2020