FuelEU

Volle Fahrt voraus für kohlenstoffarme Treibstoffe

Nach fast zweijähriger coronabedingter Pause hat am 20. April 2022 das Nordic Breakfast in der Vertretung des Landes Niedersachsen bei der Europäischen Union in Brüssel wieder in Präsenz stattgefunden, diesmal zum Thema kohlenstoffarme Treibstoffe in der Schifffahrt.
Mit der FuelEU Maritime Verordnung schlägt die Europäische Kommission Ziele für die Begrenzung der Treibhausgasintensität der auf Schiffen verbrauchten Energie vor, eine Reduktion von minus 75 Prozent bis 2050 ist vorgesehen, zudem soll die Nutzung von Landstrom ab 2030 verpflichtend werden. Da sich die Verordnung aktuell zur Befassung im Europäischen Parlament befindet, bat die IHK Nord MdEP Rasmus Andresen (Grüne) sowie MdEP Tiemo Wölken (SPD) im Rahmen des norddeutschen Netzwerkfrühstücks zur Diskussion, beide Abgeordnete sind Berichterstatter zu FuelEU Maritime.
Rasmus Andresen, Schirmherr der Veranstaltung und Berichterstatter für den Ausschuss Industrie, Forschung und Energie (ITRE) betonte direkt zu Beginn die Notwendigkeit der Emissionsreduktion im Seeverkehr. Bislang unterläge der Seeverkehr noch recht wenig Beschränkungen, dennoch sei dieser für knapp 13 Prozent der europaweiten Emissionen verantwortlich. Mit der FuelEU Maritime wolle man dieses Problem angehen und ab 2025 verbindliche Reduktionsziele für CO 2 vorschreiben. Der Vorschlag der EU-KOM sei ihm jedoch nicht ambitioniert genug, vielmehr müsse ein Null-Emissionsziel angestrebt werden. Dafür sein nun der schnelle Umstieg auf alternative Treibstoffe notwendig. Hier sei es besonders wichtig, Innnovationen – auch bei kleinen Unternehmen und Reedereien – zu fördern und die „Chicken-and-Egg“ Problematik der alternativen Treibstoffe in der Schifffahrt zu lösen. Die FuelEU Maritime Verordnung sei technologieoffen formuliert, hier müsse nun durch Innovationstreiber vorangegangen werden, die ihre Schiffe auf alternative Treibstoffe wie Ammoniak oder Methanol umstellen.
Hierzu führte Tiemo Wölken, Berichterstatter für den Ausschuss Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI), aus, dass Wasserstoff für die Schifffahrt in Zukunft ein großes Potenzial habe.
Mit Wasserstoff sei eine quasi emissionsfreie Schifffahrt in Zukunft möglich. Allerdings sei zu bedenken, dass sich der Seeverkehr mit anderen Verkehrsträgern im Wettbewerb um Wasserstoff befinde, daher fordere er eine Unterquote für Kraft- und Brennstoffe nicht-biogenen Ursprungs (RFNBO). Auch das Thema Elektrifizierung spiele eine ausschlaggebende Rolle. Durch die Nutzung von Landstrom am Hafen werde die Emission von Treibhausgas, Schadstoffen und Lärm reduziert, zudem sei ein geringerer Ausstoß an Stickstoffoxiden, Feinstaub und Kohlenstoffdioxid zu verzeichnen. Er wolle die verpflichtende Nutzung von Landstrom ab 2030 daher noch ausweiten, z.B. auf Öltanker, und die Ausnahmen zur Nutzung von Landstrom gleichzeitig reduzieren.
Auch in der darauffolgenden Diskussion, die von Patricia Schlimbach, Teamleitung IHK Nord Brüssel, moderiert wurde, wurde die Nutzung von Landstrom thematisiert. Die IHK Nord setze sich für Flexibilitätsvorschriften ein, denn nicht an jedem der knapp 550 deutschen Liegeplätzen sei die Nutzung von Landstrom gleichermaßen sinnvoll. Hier müssten lokale Erfordernisse Beachtung finden, gerade bei kleineren Häfen. Zudem seinen die hohen Investitionskosten für Landstrom zu bedenken. MdEP Rasmus Andresen führte aus, dass hier eine finanzielle Förderung des Landstromausbaus unabdingbar wäre.
Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmer über die Frage, wie die Nutzung von alternativen Treibstoffen in der Schifffahrt möglichst schnell hochgefahren werden könne. Aktuell nutzen noch ca. 98 Prozent der Schiffe traditionelle Treibstoffe. Die geplanten LNG Terminals sowie die schwimmenden LNG Terminals (Floating Storage and Regasification Units, kurz FSRU) an verschiedenen Standorten in Norddeutschland seien grundsätzlich zu begrüßen. Hier müsse es nun schnell gehen, Deutschland dürfe sich hier nicht selbst den Weg verstellen durch lange und aufwendige Planungs- und Genehmigungszeiten. Die europäischen Nachbarn wären hier teilweise bereits deutlich weiter. Europaweit existieren bereits 27 LNG Terminals, so in den Niederlanden oder in Belgien. MdEP Rasmus Andresen führte aus, dass LNG seiner Ansicht nach jedoch langfristig die Problematik der Emission nicht lösen könne, da es sich dennoch um einen Treibstoff auf Basis fossiler Brennstoffe handele. Es sei daher wichtig, dass langfristig die LNG Infrastruktur beispielsweise für Wasserstoff genutzt würde, nur so könne eine erneute Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen vermieden werden.
Noch am gleichen Tage fand die Aussprache über die FuelEu Maritime Verordnung im zuständigen Ausschuss für Verkehr und Tourismus (TRAN) statt, die finale Abstimmung im Plenum zur Positionierung im Parlament wird voraussichtlich nach der Sommerpause stattfinden.
Das Positionspapier der IHK Nord zur FuelEU Maritime Verordnung finden Sie unter: www.ihk-nord.de/fueleu
IHK Nord diskutiert mit MdEPs über die FuelEU Maritime Verordnung